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Wer hat an der Uhr gedreht? - Zeitumstellung ist eine Frage der Gesundheit

11.04.2019

Vorletztes Wochenende wurde die Uhr wieder umgestellt. Für die einen eine Stunde länger schlafen, für die anderen (bspw. unseren Pflegekräften in der Nachtschicht) eine Stunde länger arbeiten. Das Winter-/Sommerzeit-System gibt es seit ca. 24 Jahren. Wenn es nach der EU-Kommission geht, haben wir nun ein letztes Mal an der Uhr gedreht. 

Eigentlich dient das Zeitumstellen dem Sparen unserer Energie. Seit 1996 wird die Uhr zweimal jährlich umgestellt. Schon vor einigen Jahren war klar, dass die Idee, Energie zu sparen, nicht aufgeht. 2018 wurde deshalb eine EU-weite Umfrage zum Thema „Abschaffung der Zeitumstellung“ gestartet. 

Jean-Claude Juncker, EU-Kommissionspräsident, hat ein klares Ziel: Bis 2021 soll die Zeitumstellung abgeschafft werden. Auch wenn die EU-Abgeordneten mit deutlicher Mehrheit für eine Abschaffung der Zeitumstellung gestimmt haben, ist die Umsetzung bis 2021 unrealistisch, denn es fehlt ein gemeinsames Vorgehen der EU-Länder. In der EU soll es eine übereinstimmende Zeit geben. Wenn jedes EU-Mitgliedsland selbst entscheiden kann, ob das System abgeschafft werden soll oder in welcher Zeitzone (Sommer- oder Winterzeit) sie bleiben, würde es EU-weit viele unterschiedliche Zeitzonen geben. Ein No-Go für ein gemeinsames verbundenes Europa. 

Die Umfrage habe ebenfalls eine hohe Zustimmung ermittelt. Ca. 84% der Teilnehmer haben bei der Onlineabstimmung für die Abschaffung der Zeitumstellung gestimmt. Insgesamt haben 4,6 Millionen Menschen abgestimmt, davon sollen 3 Millionen Menschen aus Deutschland kommen. Diese geringe Zahl macht die Umfrage kaum aussagekräftig. Laut einer Studie leben ca. 512 Millionen Menschen (Stand 2018) in der EU. Das macht eine Beteiligung von nicht mal 1 Prozent, was die Umfrage als nutzlos erscheinen lässt. Wie könnte man argumentieren, dass die EU-Bürger eine Abschaffung fordern, wenn es noch nicht mal 1% Beteiligung gab. Zudem haben 3 Millionen von den 4,6 Millionen für eine ewige Sommerzeit abgestimmt, genau das Gegenteil von der Vorstellung der  Forscher. 

Was spricht für eine ewige Winterzeit? Ganz klar, die Gesundheit!
Die deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin stellt sich auf die Seite der Winterzeit. Wir orientieren uns an dem Tageslicht, dem blauen Himmel, der Sonne. Wenn die Sonne am höchsten steht, sind wir am fittesten. Die Sonne ist maßgeblich für unsere innere Uhr verantwortlich. Mit der Sonne regelt unser Körper den Wach-Schlaf-Rhythmus. Bei einer ewigen Sommerzeit würde die Sonne erst eine Stunde nach 12 Uhr (also 13 Uhr) am höchsten sein, eine Stunde zu spät für unsere innere Uhr. Es würden Schlafmangel und –Störungen folgen. Konzentrations- und Leistungsmangel sowie eine erhöhte Unfallgefahr drohen uns. Auch Lehrer machen sich Sorgen um die Gesundheit der Schüler bei einer ewigen Sommerzeit. 

Die DAK-Gesundheit veröffentlichte vor einigen Wochen eine Umfrage. „Wie kommen Sie mit der Zeitumstellung klar?“. 29% der Befragten gaben Probleme an. Die Mehrheit kämpfte mit Müdigkeit, Schlappheit, Schlafstörungen und Einschlafproblemen. 

Wenn es um unsere Gesundheit geht, sollten wir die Winterzeit beibehalten. Sie ist näher an unserer inneren Uhr gebaut. Die Wirtschaft sieht das anders. Finanz- und Versicherungsdienstleister und der Handel und Gewerbe haben sich für die Sommerzeit ausgesprochen. 

Haben Sie Probleme mit der Zeitumstellung? Würden Sie die Umstellung abschaffen und wenn ja, welche Zeitzone würden Sie wählen. 

Auf der Seite der Tagesschau gibt es ein tolles Video zum Thema „Winterzeit vs. Sommerzeit“.
Folgen Sie dazu folgendem Link.



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